Verklärung-Botschaft aus der Wolke

18. Sonntag im Jahreskreis | Lesejahr A

Predigt von Pfarrer Mag. Georg Fröschl | Schriftstellen: Dan 7, 9-10.13-14 | Mt 17, 1-9

Gestern war ich am Abend noch eine kleine Runde spazieren. Fasziniert habe ich den Himmel bestaunt, der sich wie eine Kuppel aus leuchtenden Wolken über mir gezeigt hat. - In den Texten vom heutigen Fest der Verklärung des Herrn tauchen auch die Bilder Himmel und Wolken auf; diese Bilder haben eine Botschaft: sie weisen hinaus über unsere engen Horizonte und aus unseren ängstlichen Perspektiven in das, was Gott mit uns vor hat.

Schauen wir zunächst auf die Vision des Propheten Daniel:

Der Kontext seines nächtlichen Traumgesichts ist zusammengefasst in den Fragen: Wem wird letzten Endes in dieser Weltgeschichte Macht verliehen? Werden die Mächtigen dieser Welt das Sagen haben? Wer kann vor den Augen Gottes, vor seinem Gericht, bestehen? – Und die Antwort des Propheten ist in einem Bild verpackt:

Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn... Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum übergeben.

Natürlich denken wir da sofort an Jesus Christus. In ihm hat sich Gottes Herrlichkeit und Liebe einzigartig geoffenbart. In ihm zeigt sich auch das Ziel der Geschichte.

Wir dürfen aber auch fragen, ob dieses Bild schon für uns im Alltag eine Bedeutung hat? Und die hat es für mich: in der Vision des Propheten Daniel wird das Menschsein und damit die Fähigkeit zu lieben vor jegliche Gewalt und Machtdemonstration gestellt: einfach Menschsein mit all unseren Schwächen bedeutet mehr, als zu imponieren, zu besiegen und berühmt zu sein... so will Gott durch uns in der Welt sein – als einer wie ein Menschensohn, wie eine Menschentochter.

Nun zum zweiten Wolkenbild aus dem Evangelium:

Hier ist die leuchtende Wolke Bild für das Geheimnis Gottes: seine Gegenwart Gottes zeigt sich strahlend in Jesus Christus und verbirgt sich zugleich in seiner irdischen Gestalt. Dieses Geheimnis wird auch von Mose und Elija beglaubigt. Die innere Konsequenz und Bedeutung dieser Offenbarung für uns ist:

Gottes Herrlichkeit wird durch menschliche Grenzen, durch Schwachheit und auch durch Leiden und Tod nicht geschmälert, sondern strahlt in ihrer Fülle darin auf.

Für unseren Alltag: wir brauchen uns nicht zu fürchten, wenn wir schmerzhaft an die Grenzen unseres Menschseins stoßen. Christus geht uns voraus und will, dass wir mit ihm durch Leiden und Tod hindurchgehen und so auch seinem Wesen und seiner Gestalt teilhaben.

Himmel und Wolken erinnern uns also an das Wesen der christlichen Botschaft:

  • erstens, dass Gott nicht das Starke und die Macht auf den Thron ruft, sondern den, der ist wie ein Menschensohn, wie eine Menschentochter...
  • zweitens, dass wir an den Grenzen unseres Menschseins, ja nicht einmal am Tod, zu verzweifeln brauchen - denn Verherrlichung bedeutet: dass wir mit Christus durch das Dunkel zum Licht geführt werden.