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Bilder aus dem Pfarrleben
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Mag. Christian J. Scharrer empfing am 8. November 2009 im Stephansdom die Weihe zum Diakon. Im folgenden Artikel gewährt er uns ein wenig Einblick in seine Ausbildungsgeschichte.

ES WAR EINMALFoto Diakon bei Amtseinführung

Ich war einer, der fröhlich vor sich hin lebte. Ich wuchs und wuchs (naja - ist vielleicht übertrieben) und nahm Anteil am Leben meiner Pfarrgemeinde Bossigasse im 13. Bezirk. (Die vielen Geschichten über mein umtriebiges Wesen erspare ich euch jetzt.) Nach all diesen Geschichten war es mir, als solle ich offen sein für Neues. Es war, als ob Gott unruhestiftend (verzeiht, dass ich das so plump formuliere) in mein Leben eingreife.

Also ging ich hin und stellte mich. Ich fragte an, und wurde aufgenommen in den Kreis der zu Diakonen auszubildenden Männern. Doch einfach wurde es mir nicht gemacht. Als ich von der mehrjährigen Ausbildung erfuhr, wurde mir der Entschluss fraglich. Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein, so war mein erster Gedanke: Warum bitte sollte ein Mensch, der seinen Studienabschluss in Theologie erarbeitet hat, weitere drei Jahre sozusagen die Schulbank drücken, nur um Diakon werden zu können. Lächerlich. Nein - vielmehr: Ärgerlich. Da kommen verschiedene Menschen aus allen möglichen Berufsgruppen und alle werden über einen Kamm geschoren. Wozu bitte, hat man dann ein Studium! Ich fragte mich, was so schwer an den Tätigkeiten eines Diakons sein sollte, dass man dafür so lange Zeit brauche.

Drei Jahre Ausbildungszeit

Doch ich war bereit, in das neue Leben auszuziehen. Also begann das erste Lehrjahr. Nach einer Kennenlern- und Gruppenbildungsphase war das Hauptthema des ersten Lehrjahres das Themenfeld des christlichen Bekenntnisses zu einer offenherzigen Weltbegegnung. (Was wir unter dem Stichwort Caritas zusammenfassen.) Es wurde hinterfragt, wie viel eine Gemeinschaft gemäß dem Subsidiaritätsprinzip der Katholischen Soziallehre realitätsverändernd und unterstützend Not wenden kann. Bitte, dass dies nicht nur möglich, sondern durch aktives Christsein auch von Mitgliedern der Pfarre Bossigasse längst gelebt wird, musste und wollte ich immer bezeugen, da ich dies sozusagen am eigenen Leib als Wohltat spüren durfte, als nach dem Tod meiner Eltern Menschen sofort zur Tat schritten und mir den Verbleib in meiner Wohnung sicherten. Wären nicht helfende, offenherzig gebende Hände in meiner Nähe gewesen, wer weiß, wie es geendet hätte, bei der Geschwindigkeit, mit der staatliche Hilfe greift.

Das zweite Jahr hatte den Schwerpunkt Verkündigung und Pfarrleben. Es war das entscheidende Jahr, das mich von meiner Pfarrheimat Bossigasse entfernte. Aber ich war ja selbst schuld daran. (Wir wollen ja nicht alles Gott in die Schuhe schieben.) Ich hatte von Anfang an den Wunsch, meine Ausbildung so zu gestalten, dass ich in späterer Zeit möglichst vielfältig, z.B. auch hauptamtlich eingesetzt werden könnte. So wurde mir aufgetragen, von meiner Heimat in eine Ausbildungspfarre zu wechseln. Dadurch wurde ein neuer Lernprozess eröffnet, der das Zugehen und Eingehen auf eine veränderte Pfarrsituation und eine bewusste Eingliederungsphase in eine Gemeinschaft verlangte. So sollte mir für die Zukunft die Flexibilität erhalten bleiben, neue Anfänge an neuen Einsatzorten oder in neuen Aufgabengebieten gelungen zu durchleben. Es begann also meine Zeit in der Pfarre Breitensee, Wien 14. Mein Ausbildungspfarrer, Mag. Georg Fröschl, der ein dynamischer, sympathischer und freundlicher Mensch ist, war mir Hilfe zum Neuanfang.

Das dritte Jahr beschäftigte sich mit liturgischen Fragen, da auch dies ein Bereich ist, in dem Diakone vielfältig wirken sollen. Wohl am schwersten war mir dabei innerlich der Zugang zur Leitung von Begräbnissen, wie ich es auch bei einem Privatgespräch mit seiner Eminenz Dr. Schönborn zur Sprache brachte. Ich verglich meine Schwierigkeit mit dem Erlernen eines Instrumentes. Wo man wenig Hindernisse überwinden muss, fällt es schwer, dem Nächsten Erfahrungen weiterzugeben; und ich spürte mich zur Zeit des Todes meiner Eltern von Anfang an von Gott getragen. Wie soll ich dies Menschen, die zutiefst von Trauer bewegt sind und das nicht im gleichen Maße spüren, bloß vermitteln? Zum Glück ist dies aber liturgisch nicht das Einzige, wozu ein Diakon die kirchliche Sendung erhält, und mit den Jahren wird man ja bekanntlich reifer.

Was ich gelernt habe

Als nach vielen Monaten andere Menschen dieselben Fragen formulierten, die ich mir früher selbst gestellt hatte, z.B. warum so viel Zeit und so viele Seminare nötig sind, um Diakon zu werden, konnte ich allerdings schon neue Antworten entwerfen. So gab ich zur Antwort:

„Weil es nicht darum geht: etwas zu tun; kluge Sätze zu sprechen; interessante Dinge zu erzählen; theologische Spitzfindigkeiten zu erwägen; großartige Aha-Erlebnisse zu vermitteln; in fast gnostischer Manier durch weitere Erkenntnis nach dem Heil zu streben; Handlungen gut geschult und würdig zu vollziehen…. sondern es geht um: das Sein; das Zulassen einer Vertiefung der eigenen Sendung; um ein Hineinwachsen in die geschenkte Berufung; ein Reifen der Person; eine Schärfung des inneren Gehörs auf Gottes Zuspruch; ein über sich Hinaus-wachsen durch die Aufmerksamkeit für Gottes Nähe; um das Zulassen, dass Gott durch uns Menschen wirken und sprechen will; ein sich zur Verfügung stellen für Gottes Heilswirken... Und das gerade als der, der man sein darf; in Hinnahme der persönlichen Grenzen; im Bewusstsein der eigenen Schwächen; im immer neuen Ja zu sich, zu seiner Umwelt und zu unserem Gott, der immer neu der Herausfordernde bleibt, aber auch der uns in seiner Liebe gnadenvoll Unterstützende.“

ES IST NUN EINMAL

Nach drei Jahren Ausbildung bin ich zwar immer noch derselbe, wie damals; aber doch glaube ich, dass ich gewachsen bin. Zumindest durch die Erkenntnis:

Ohne Gottes Kraft vermögen wir nicht das, was wir mit seiner Gnade bewirken können. Ich werde euch vielleicht nichts geben können, und noch eher nicht das was ihr erwartet, aber ich darf euch versichern, Gott kann und wird denen geben, die sich im Vertrauen an ihn wenden. Das ist mein Auftrag: auf Gott zu verweisen, der Menschen beruft, ihm nachzufolgen. Und das möchte ich mit seiner Hilfe tun, für den Rest meines Lebens.

Das Hineinwachsen in die neue Pfarrfamilie wurde von vielen Personen unterstützt, die für mich offen waren und die mir bei den Anfangsschritten zur Seite standen. Dafür bin ich dankbar und werde versuchen, mich selbst für die Anliegen einzubringen, die an mich herangetragen werden. Dadurch traue ich mich auch, meine Sehnsüchte zur Sprache zu bringen.

Bleibt bereit für Veränderungen, sonst tut sich selbst Gott schwer bei uns etwas zu bewegen (bitte, das nicht als Häresie zu verstehen). Geht immer wieder neu aufeinander zu, auch wenn die Zukunft immer von der Vergangenheit durchtränkt ist, soll sie dennoch Zukunft bleiben dürfen.

ES WIRD EINMAL SEIN

Und später, wenn manche Perioden abgeschlossen sind, soll es uns möglich sein, zu sagen:

Es waren schöne Zeiten. Es ist viel passiert, es wurde gearbeitet, geredet, gestritten, versöhnt, gefeiert und gelebt; wie es auch in jeder guten Familie Brauch ist.

Aber davon sollen dann andere Geschichten erzählen.

Ich freue mich da zu sein, durch den, der da ist für uns. (Vielleicht sollten Christen das Olympische Prinzip stärker betonen.)

Gott segne unsere gemeinsame Zukunft. In dankbarer Verbundenheit, euer Bruder

Christian J. Scharrer

 

Heute, 19.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Kuno von Regensburg,  Hl. Maria Bernarda (Verena) Bütler,  Hl. Cölestin V

Lesung: Apg. 18,23-28.

Evangelium: Joh. 16,23b-28.

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