Kommt und seht ... Seelsorge & Spiritualität Sonntagswort 1.FaSo: Führe uns in der Versuchung
Bilder aus dem Pfarrleben
Drucken E-Mail
Sonntag, den 21. Februar 2010 um 00:00 Uhr

1. Fastensonntag: Führe uns in der Versuchung

Was ist der Mensch? – Was braucht er zum Leben, was erfüllt ihn, macht ihn glücklich?


Diese Grundfragen des Lebens haben sich im Lauf der Geschichte viele Philosophen gestellt, aber sie sind auch der Motor unseres Lebens, wenn es uns nicht immer bewusst ist.

Die Werbung versucht immer wieder Antworten darauf zu geben und uns auf manchmal sehr kunstvolle Weise zu sagen, was wir zum Glück brauchen.

Da kann man zunächst die Erfüllung unserer Grundbedürfnisse nennen und vielleicht auch ein bisschen Luxus darüber hinaus (Brot steht für diese Grundbedürfnisse)

Dann gibt es das Bedürfnis danach, dass wir im Leben etwas bewegen können, Macht haben (Jesus wäre sicher kein schlechter Regent für die Welt gewesen)

Schließlich braucht der Mensch auch einen Glauben an etwas, das ihm Flügel verleiht, das ihn über den grauen Alltag hinaushebt. (Red Bull tut es sicher nur kurzzeitig)

Ich mache aber die Erfahrung, dass es Menschen gibt, die das alles haben und dennoch unglücklich sind. Auch dann noch, wenn sie die Erfüllung der Bedürfnisse quantitativ steigern. – Andererseits gibt es auch Menschen, die todernsten Asketen, die alles Materielle verteufeln und vor der Welt flüchten, und dennoch nicht zufrieden wirken.

Die Versuchung besteht nun darin, nur diese Alternative zu sehen: sinnvolles Leben durch Stillung aller Bedürfnisse einerseits oder eben durch radikalen Verzicht darauf andererseits. Beides entspricht nicht dem christlichen Menschenbild. Auch Jesus hat sich nicht auf einen Weg eingeschworen: er hat beides erlebt, die Feste und die Wüste; er ist aber dabei nicht stehen geblieben und hat in allem seinen himmlischen Vater nicht vergessen.

Es gibt ein apokryphes Jesuswort: Keiner gelangt ins Himmelreich, wenn er nicht durch die Versuchung gegangen ist. Deshalb denke ich mir bei der entsprechenden Vaterunser-Bitte immer: Führe uns durch die Versuchung. Dass wir nicht stehen bleiben bei all den Angeboten, sondern dahinter dich, den Schöpfer erkennen, der uns anspricht und ruft. Deswegen gibt das Volk Israel von allen Erntegaben einen Teil als Opfer, um damit den Schöpfer und Geber alles Guten zu ehren.

Was also ist der Mensch?

Er ist ein von Gott gerufener und geliebter, ein Beziehungswesen. Er ist nicht allein für den Konsum und auch nicht nur für den Verzicht da. Er ist gerufen, die Welt mit all ihren Gaben anzunehmen, aber nicht bei ihnen stehen zu bleiben, sondern darin den rufenden und liebenden Gott zu erkennen und Ihn immer wieder neu zu suchen.

 

Heute, 19.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Kuno von Regensburg,  Hl. Maria Bernarda (Verena) Bütler,  Hl. Cölestin V

Lesung: Apg. 18,23-28.

Evangelium: Joh. 16,23b-28.

Nächste Termine