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| Samstag, den 20. März 2010 um 17:15 Uhr | |||
5. Fastensonntag: UrteilenIn einem Rechtsstaat müssen Urteile gefällt werden. Wer Gesetze bricht und übertritt, der muss damit rechnen, dass er angeklagt und am Ende eines Prozesses auch verurteilt wird. Wo kämen wir denn hin, wenn es keine Rechtsprechung gäbe und jeder tun könnte, was er wollte? Das, liebe Schwestern und Brüder, ist die eine Seite: dass ein Staat für die Wohlfahrt seiner Bürger Gesetzesübertretung ahnden und verurteilen muss. Doch es gibt noch eine andere Seite, die zu bedenken ist: das Ab- und Verurteilen im zwischenmenschlichen Bereich.
Wir verurteilen, ohne an den Menschen dahinter und seine Zukunft zu denken. Jesus sagt uns hier: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ – Sollten wir nicht auch ein bisschen wie die Leute rund um die Ehebrecherin in uns gehen und unsere Steine wieder weglegen? „Hat dich keiner verurteilt, Frau?“ fragt Jesus und fügt dann hinzu: „Auch ich verurteile dich nicht!“ Gott verurteilt uns nicht! Das bedeutet aber nicht, dass ihm alles egal ist, oder dass er kein Interesse an uns hätte. Im Gegenteil: Gott verurteilt uns nicht, damit wir wieder neu beginnen können. „Denkt nicht an das was früher war! Seht her, nun mache ich etwas Neues!“ spricht Gott durch den Mund des Propheten Jesaja. - Gott will, dass wir neu anfangen können, dass wir leben können und nicht unter der Last unserer Schuld niederbrechen. Er will nicht, dass wir im Kerker des Urteils verkümmern. Deswegen sagt Jesus zur Frau: „Geh und sündige nicht mehr!“ Trenn dich nicht mehr von deiner Lebensquelle, von der Liebe, mit der Gott dich erwählt hat. Geh und fang neu an! – Erstaunlicherweise verlangt Jesus von ihr gar kein Werk der Buße. Lasst mich diese Art von Gottes gerechter Barmherzigkeit abschließend durch eine wahre Geschichte illustrieren: Der New Yorker Bürgermeister Fiorello Henry La Gurarida führte ein vielseitiges Sozialprogramm durch, kämpfte gegen die Korruption und setzte sich für die Beseitigung von Elendsvierteln ein. Zuweilen trat er auch als Polizeirichter in Erscheinung. Dann aber griff er in die eigene Tasche und bezahlte den Betrag an Stelle des Angeklagten. Er warf die Zehndollarnote in seinen grauen Filzhut. Daraufhin wandte er sich an die Anwesenden im Gerichtssaal und bestrafte jeden einzelnen von ihnen mit einem Bußgeld von fünfzig Cent und begründete die Strafe mit dem Hinweis, dass sie alle in einer Stadt leben würden, wo sich ein Mensch zum Brotdiebstahl genötigt sieht, um nicht zu verhungern. Die Geldstrafe wurde sofort vom Gerichtsdiener mit dem grauen Filzhut kassiert. Dann wurde der Filzhut samt Geld dem Angeklagten übergeben. Dieser traute seinen Augen nicht. Er verließ den Gerichtssaal mit 47 Dollar und 50 Cent.
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Heilige/r des Tages:
Hl. Kuno von Regensburg, Hl. Maria Bernarda (Verena) Bütler, Hl. Cölestin V
Lesung: Apg. 18,23-28.
Evangelium: Joh. 16,23b-28.