Bilder aus dem Pfarrleben

Osternacht

Christus ist auferstanden
mit ihm ist Hoffnung aufgebrochen
die niemand mehr vernichten kann.

Halleluja!

Kürzlich hat der Religionssoziologe Paul Michael Zulehner in einem Interview mit der Presse gesagt: Er schätze, dass die Zahl der Christen, die an eine Gottessohnschaft und an die Auferstehung Jesu glauben, etwa bei 15-20 Prozent liegt.

Diese Einschätzung hat mich erstaunt, weil sich ja die meisten Menschen nach dem Inhalt dieser Botschaft sehnen: nach einem Leben in Fülle, nach immer währendem Frieden und nach einer Liebe mit Ewigkeitswert.

Ich weiß, der Glaube ist nie die Leistung eines Menschen, er ist immer Geschenk, aber es gibt Hindernisse, die es dem Menschen schwer machen können, an die Auferstehung zu glauben:

  1. Weil sie darunter etwas anderes verstehen, als damit wirklich gemeint ist: nämlich nur eine Verlängerung des alten und bekannten Lebens.
  2. Weil sie die Härte des Todes beim Verlust eines lieben Menschen erfahren haben. Ohnmächtig stehen sie vorm Tod als einer wirklicher Trennung, einem wirklichen Aus.
  3. Weil die Kirche als Verkünderin dieser Botschaft durch die öffentlich gewordenen Miss-brauchsfälle in ihren eigenen Reihen an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat. Weil auch die Kirche eine „Sünderin“ ist. Die Schuld der Verkünder selbst verdunkelt ihre Botschaft.

Der Erfurter Bischof Joachim Wanke hat in seinem Osterbrief geschrieben: „Ostern ist ein radikaler Neuansatz Gottes in seiner Schöpfung.“ - Ostern ist also ein Entgegenkommen Gottes, ein neuschaffendes Tun Gottes an uns, den schwachen, sündigen und sterblichen Menschen. - Doch wie komme ich inmitten einer zerbrechlichen, oft grausamen Welt zu dieser Osterhoffnung?

Weil heute ein kleines Kind getauft wird, möchte ich dies als Vergleich hernehmen: Wie kommt ein Kind zum Vertrauen in die Welt? Ein Kind wächst ins Leben und ins Vertrauen nicht durch gescheite Reden hinein, sondern vor allem durch die erlebbare Beziehung und Nähe zur Mutter.

Begegnung und Beziehung sind auch die Schlüsselwörter für den Osterglauben. Die Jünger und Jüngerinnen haben erst durch die Begegnung mit dem Auferstandenen Christus selbst zur Osterhoffnung gefunden. Erst dann wurden sie mit neuer Kraft erfüllt.

So wünsche ich uns, dass auch wir erleben, wie der lebendige Gott an uns handelt, wie er uns schwachen Menschen immer wieder seine Nähe und erneuernde Liebe anbietet. Sie ist zwar oft nur in kleinen Zeichen erfahrbar, aber gerade diese kleinen Zeichen der Liebe machen mir persönlich Mut, dem Leben zu trauen – trotz allem.

Deswegen ist es schön, Ostern zu feiern, die Auferstehung Jesu Christi.

 

 

Heute, 19.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Kuno von Regensburg,  Hl. Maria Bernarda (Verena) Bütler,  Hl. Cölestin V

Lesung: Apg. 18,23-28.

Evangelium: Joh. 16,23b-28.

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