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6. Sonntag der Osterzeit: Muttertag

Heute, am Muttertag, werde ich selbstverständlich auch meine Mutti besuchen; aber bei uns wurde der Muttertag wie auch der Vatertag nicht besonders aufregend begangen und ich muss gestehen, dass ich am Muttertag auch für meinen Vater dankbar bin – sie gehören beide zusammen.

Von manchen Leuten höre ich, dass der Muttertag für sie eine unangenehme Zwangsbeglückung darstellt, wo nur etwas gespielt wird, was sonst nicht so ist.

Auch gibt es Menschen, für die der Muttertag eher negative Gefühle auslöst: wenn z.B. ein Kind gestorben ist, wenn sich die Kinder mit ihrer Mutter zerstritten haben, wenn Menschen sich einsam fühlen, oder wenn ihnen der Kinderwunsch versagt geblieben ist…

All das zeigt, dass der Muttertag nicht nur ein schöner, sondern auch ein zwiespältiger Feiertag ist. Ich möchte den Muttertag deswegen in den Kontext des Wortes Gottes stellen; darin leuchtet vielleicht der tiefste Sinn dieses Feiertags auf: Obwohl der Muttertag nicht aus religiösen Gründen eingeführt wurde, hat er doch zutiefst religiöse Wurzeln. Mütterlichkeit ist ein Bild für Gott. Wir sind es gewohnt, Gott immer als Vater anzusprechen und verbinden mit dem Vatergott oft Strenge und Unnahbarkeit. Doch im Bild der Mütterlichkeit leuchtet uns viel mehr vom liebenden Gott auf.

Lassen Sie mich jeweils einen Gedanken aus den heutigen drei Schrifttexten dazu anführen:

Aus der ersten Lesung, die uns vom Apostelkonzil und dem frühchristlichen Konflikt zwischen Heiden- und Judenchristen berichtet, gefällt mir die Tatsache, dass man den Heidenchristen nicht unnötige Lasten auferlegen wollte: „Wir und der heilige Geist haben beschlossen, euch keine weiteren Lasten aufzuerlegen…“ Ist das nicht eine mütterliche Geste? Mütterlich daran ist für mich das Fingerspitzengefühl, die Balance zu halten zwischen Gesetz und Barmherzigkeit. Oft sind es die Frauen, die einen lebbaren Weg zwischen den notwendigen Regeln in einer Gemeinschaft und der Freiheit der Liebe finden.

Aus der zweiten Lesung ist mir das Bild von der Stadt Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herabkommt vor Augen. Diese Stadt ist erfüllt von der Herrlichkeit Gottes. Gott selber ist als das  Lamm, das ein Symbol für Hingabe ist, wie ein Licht in ihrer Mitte. Diese Hingabe überstrahlt alles, sodass die Stadt keine Sonne von außen mehr braucht. Auch hier liegt der Vergleich mit Mütterlichkeit nahe. Die Bereitschaft einer Mutter, ihren Kindern ihre ganze Liebe zu schenken, hält eine Familie nicht nur zusammen, sondern erfüllt sie auch mit Glanz. Die Liebe ist wirklich die Mitte jeder Gemeinschaft. Oft sind es eben die Mütter, die darauf achten.

Und als letztes möchte ich einen Gedanken aus dem Evangelium aufgreifen: Jesus kann nicht immer bei seinen Jüngern bleiben. Deswegen sendet er ihnen einen Beistand, den Heiligen Geist, der sie an alles erinnert, was er ihnen gesagt hat. Auch Mütter können nicht auf ewig bei ihren Kindern bleiben. Sie müssen sie in die Selbständigkeit entlassen. Aber die Liebe, die sie ihren Kindern gegeben haben, die ist ein bleibender Beistand für ihr ganzes Leben.


Spiegel im Wasser

Liebesgedichte

Die schönsten Liebesgedichte
werden nicht aufgeschrieben,
sie werden gelebt.

Alle Liebesgedichte
sind letzten Endes
Gedichte für Gott.


Für Jana und Alfred Preis

Aus: Christine Busta, Gedichte. Wenn du das Wappen der Liebe malst.
Otto Müller Verlag Salzburg 1995.

 

Heute, 26.5.2013

Heilige/r des Tages:
Hl. Philipp Neri

Lesung: Spr. 8,22-31. Röm. 5,1-5.

Evangelium: Joh. 16,12-15.

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