Kommt und seht ... Seelsorge & Spiritualität Sonntagswort Kreuzesnachfolge und Selbstverleugnung
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12. Sonntag im Jahreskreis: Kreuzesnachfolge und Selbstverleugnung

Ich möchte heute zum letzten Teil des Evangeliums etwas sagen:

zur Kreuzesnachfolge und zur Selbstverleugnung

Das sind zwei Schlagworte, die in der christlichen Tradition eher einen negativen Beigeschmack haben; ich möchte sie positiv deuten, so wie ich sie verstehe, und wie ich auch glaube, dass sie gemeint sind:

Gott hat uns Menschen nicht dazu erschaffen, damit wir leiden und damit wir uns selbst verleugnen. Im Gegenteil: Gott hat uns zum Leben gerufen. Im Johannesevangelium steht der Satz aus dem Munde Jesu: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Und es ist dann die Rede vom Weide finden, vom Behütet sein..... All das sind Vergleiche, die Jesus sehr oft gebraucht, um uns zu sagen: Gott hat dich lieb. Er schätzt dich. Er möchte, dass du dich entfalten kannst, dass du lebst.

Doch wir haben oft einen zu engen Begriff vom Leben: wir meinen das Leben bestünde darin, viel zu unternehmen, viel zu machen und zu organisieren. Wir möchten viel genießen und auf unsere Rechnung kommen. Und so übersehen wir, dass eigentlich vieles ohne unser Zutun geschieht: das Ein und Ausatmen, das Schlagen des Herzens, es wird Tag und es wird Nacht, ohne dass wir viel dazu tun.....

Selbstverleugnung heißt nun:
Über das eigene begrenzte Ego hinausschauen: Dem Leben, das von selber geschieht und weiter ist als mein Ego, Raum zu schaffen. Dem Leben Raum schaffen, heißt auch, die Hoffnung nicht zu ersticken. Nur in der Atmosphäre der Hoffnung gedeiht das Leben. Wir können die großen Zusammenhänge des Lebens nur erkennen, wenn wir über unser eigenes Ego hinausschauen und den Himmel mit all seiner Sehnsucht und seiner Verheißung in unser Leben einlassen.

Kreuzesnachfolge:
Dass wir aber nicht nur in Träumen stecken bleiben, müssen wir konkret werden. Wir dürfen den Schnittpunkt zwischen Hoffnung und Realität nicht scheuen. Dieses Konkret-werden ist das Kreuz. Jeder hat so sein Kreuz zu tragen. Wer es nicht tragen will, wird versuchen, es bewusst oder unbewusst, anderen aufzuladen.

Das Leben verlieren heißt, es loslassen hinein in größere Zusammenhänge. Wer dies tut, der gewinnt eine neue Fülle hinzu. Selbstverleugnung und Kreuzesnachfolge führen also zum Leben.

 

Heute, 19.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Kuno von Regensburg,  Hl. Maria Bernarda (Verena) Bütler,  Hl. Cölestin V

Lesung: Apg. 18,23-28.

Evangelium: Joh. 16,23b-28.

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