Bilder aus dem Pfarrleben

Aufnahme Mariens

In der letzten Kirchenzeitung war ein Bild zu sehen, auf dem rund um eine Marien-Statue Menschen versammelt waren, die sicher nicht zu den reichen zählen. Ich beobachte, dass Marien-Verehrung besonders in den ärmeren Gebieten anzutreffen ist: in den südlichen Ländern Europas, auf den Philippinen oder in Latein-Amerika. – Meine Erklärung dafür: Maria gibt besonders dort den Menschen Halt, Kraft und Trost in der Bewältigung ihres Alltags. – Ich würde mir wünschen, dass der Zugang zu Maria auch überall dort, wo er verstellt ist, wieder frei wird. Denn: Der Blick auf Maria kann uns helfen, den Plan Gottes mit seiner ganzen Schöpfung besser zu verstehen; was Gott an Maria tut, das will er auch an jedem einzelnen von uns wirken. Was wir bei Maria feiern, hat aktuelle Bedeutung für dich und mich.

Ich möchte das in drei Punkten entfalten:

  1. Maria nimmt Gott auf – Gott lässt sich von Maria aufnehmen

    Da kommt mir sofort der Satz in den Sinn: „Ein Engel trat bei ihr ein..." Was unserem Glauben so vertraut geworden ist, ist aber religionsgeschichtlich keine Selbstverständlichkeit: Gott zeigt sich als einer, der den kleinen Menschen sieht und bei ihm wohnen und wirken möchte. Er will nicht nur als Weltenschöpfer über den Himmeln thronen, sondern eintauchen in diese Welt und Geschichte, er will in einem konkreten Menschen wohnen.
    Maria war bereit; sie hat Ja gesagt: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast..."→ So will Gott in jedem seiner Kinder wohnen und fruchtbar wirken.

  2. Maria trägt Gott weiter – Gott lässt sich von Maria weitertragen

    Gott nimmt nicht nur Wohnung in Maria, sondern er lässt sich von ihr auch weiter tragen in die Wohnung der Elisabeth, die stellvertretend für all unsere Wohnungen steht. Noch bevor der Menschensohn sichtbar ist, bewirkt er schon Freude in der Begegnung.

    Und durch die Geburt in Bethlehem trägt Maria den Sohn Gottes hinein in die ganze Welt und Geschichte.

    → So will Gott auch durch uns hineingetragen werden in den Alltag.

  3. Gott nimmt die, die ihn aufnahm, in die Wohnungen des Himmels auf

    Mit Leib und Seele meint hier: Gott nimmt die ganze Person an, mit ihrer Geschichte von Kindesbeinen an, mit all ihren Erfahrungen, Fragen und Anfängen. Alles wird angenommen und vollendet. Das ist ein Vorausblick auf die Krönung der Schöpfung, die dieses Ziel ja schon manchmal durchschimmern lässt.

    → So will Gott uns alle, jeden einzelnen mit seiner ganzen Person, mit seiner ganzen Geschichte annehmen und vollenden. Nichts, was zu uns gehört, wird verloren gehen.

Zusammenfassung:

Gott lässt sich aufnehmen, so wie es in einer chassidischen Geschichte heißt: Gott wohnt, wo man ihn einlässt.

Gott lässt sich weitertragen, in der Begegnung mit Menschen, die glauben, dass sich erfüllt, was Gott ihnen sagt, geschieht schon Bewegung und Freude.

Gott wird uns, die ihn in unser kleines zerbrechliches Haus aufnehmen, in das Große Haus der Liebe mit den vielen Wohnungen aufnehmen.

 

Heute, 6.2.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Paul Miki und Gefährten

Lesung: 1 Kön. 8,1-7.9-13.

Evangelium: Mk. 6,53-56.

Logo PGRWahl12

Nächste Termine