21. Sonntag im Jahreskreis: Notwendigkeit von HerausforderungenDie Geburt eines Menschen ist meist verbunden mit der Bewältigung eines engen Durchgangs. Bevor man das Licht der Welt erblickt, muss man die Mühsal des Geburtskanals auf sich nehmen. Man könnte sich fragen, warum der erste Weg ins Leben so anstrengend sein muss. - Vielleicht möchte uns diese Anstrengung für die weiteren Herausforderungen des Lebens rüsten? Denn auch der Weg in die Vollendung ist keine breite Straße. So ermutigt uns heute das Evangelium: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen!“ Ein anderes Beispiel aus der Natur kann uns auch begreiflich machen, warum es im Leben oft Mühsal und Anstrengung braucht: eine Pflanze, die nur im geschützten Glashaus aufwächst, ist bei weitem nicht so widerstandskräftig wie ein Strauch, der Sonne, Wind und Kälte aushalten muss. Herausforderungen im Leben möchten uns stärken. Sie sollen uns zwar nicht hart und gefühllos machen, sondern sie möchten ein Wachsen in Geduld und Liebe bewirken. So wie ein Wein auch erst einen mühsamen Wandlungsprozess durchmachen muss, bis er zum klaren Wein wird: da geht es über das Wachsen der Trauben bis zum Pressen, dann folgt die Gärung und dann das Aufklaren und Nachreifen, bis der Wein in froher Gemeinschaft genossen werden kann. – Vielleicht ist es auch mit der Reifung des Menschen ähnlich. Mit diesen Gedanken im Hintergrund können wir auch die Worte aus dem Hebräerbrief richtig verstehen. Es heißt dort (zugegebener Maßen sehr missverständlich): Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn, verzage nicht, wenn er dich zurechtweist. ... und am Ende heißt es: ....damit ihr geheilt werdet. Lange Zeit hat man den Satz „Wen der Herr liebt, den züchtigt er“ zur Rechtfertigung körperlicher Züchtigung als pädagogisches Prinzip hergenommen. Heute schämt man sich zu Recht dafür und Eltern bemühen sich um partnerschaftlichen Umgang mit Kindern. Der Satz allein löst Unbehagen aus, sodass wir ihn gerne aus der Bibel streichen wollten. Doch wenn dieser Satz nicht als Herrschaftsmittel von Menschen über Menschen gedeutet und missbraucht wird, entdecken wir eine tiefe Wahrheit in seinen Worten, die ich nicht unter den Tisch fallen lassen möchte: ich sehe darin einen Hinweis, dass Herausforderungen nicht nur eine Chance zur Reifung sein können, sondern auch dafür notwendig sind. Wir wissen nicht immer, warum uns etwas geschieht. Wir können nicht allen Unannehmlichkeiten ausweichen oder sie auf andere abschieben. Wir wissen auch nicht auf welchem Weg wir am besten reifen können. – Sicher ist, dass der Weg zur Reifung nicht immer eine breite einfache Straße sein kann. Sicher aber ist auch, dass das Ziel der Reifung die Liebe ist und unser Heil.
Lesung aus dem HebräerbriefSchwestern und Brüder! Ihr habt die Mahnung vergessen, die euch als Söhne anredet: Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn, verzage nicht, wenn er dich zurechtweist. Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit. Darum macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest, und ebnet die Wege für eure Füße, damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt, sondern geheilt werden.
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Heilige/r des Tages:
Hl. Paul Miki und Gefährten
Lesung: 1 Kön. 8,1-7.9-13.
Evangelium: Mk. 6,53-56.