Kommt und seht ... Seelsorge & Spiritualität Sonntagswort 22. So: Bescheidenheit ist eine Zier
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22. Sonntag im Jahreskreis: Bescheidenheit ist eine Zier

„Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommst du ohne ihr!“ – wenn auch grammatikalisch nicht ganz richtig, sagt dieses Sprichwort doch etwas Wahres aus: im Leben kommt man mit Bescheidenheit nicht immer weiter. Das ist eine Tatsache.

Auf der anderen Seite werden wir aber auch mit der Bescheidenheit als Tugend konfrontiert. Inwiefern ist sie eine Tugend? Dieser Frage möchte ich heute nachgehen und das Lob der Bescheidenheit - so wie wir es aus den heutigen Schrifttexten heraushören können - zunächst hinterfragen.

Eine erste kritische Bemerkung an die Tugend Bescheidenheit ist die Tatsache, dass jeder Mensch lernen muss, sich zu behaupten, um zu überleben. Wir befinden uns nicht im Schlaraffenland, wo uns alles ohne Anstrengung von selbst zufliegt. Wer sich immer nur bescheiden zurück ziehen würde, der steht am Ende womöglich alleine da.

Eine zweite kritische Anfrage zur Bescheidenheit, ist die Beobachtung, dass es auch eine geheuchelte falsche Bescheidenheit gibt. Sie ist daran zu erkennen, wenn die Menschen trotz Bescheidenheit voller Neid und Missmut sind.

Doch wann ist nun eine Bescheidenheit eine Zier – oder vielleicht sogar mehr als nur äußerer Schmuck? Welche Bescheidenheit könnte in der Bibel gemeint sein?

Hier möchte ich zuallererst feststellen: Bescheidenheit muss langsam wachsen, weil sie etwas mit menschlicher Reifung und Entwicklung zu tun hat. Ein kleines Baby zum Beispiel kann und darf nicht bescheiden sein, wenn es die notwendige Muttermilch trinkt. Bescheidenheit kann meiner Meinung erst dann sinnvoll gelebt werden, wenn ich schon Wertschätzung und Selbstvertrauen erfahren habe. Dann kann eine bewusste und freie Haltung der Bescheidenheit ein Segen für mich und für andere sein.
Für mich kann die Haltung der Bescheidenheit wertvoll sein, weil sie in mir das Vertrauen in den lebenserhaltenden Gott stärkt. Gott gibt mir täglich was ich brauche, ich muss dafür nicht mit allen Mitteln darum streiten. Ich kann einmal auch warten.
Für andere kann meine Bescheidenheit zum Segen werden, weil sie ihnen Lebensraum eröffnet, ein Klima ohne zerstörerischen Konkurrenzkampf. Ich denke nur an die Situation an einem Buffet oder im Straßenverkehr.

Diese Bescheidenheit, die aus einem Selbstbewusstsein und aus dem Wissen um Anerkennung kommt, wird es sein, zu der uns die Bibel einlädt: „Mein Sohn, meine Tochter bleibe in all deinem Tun bescheiden!“ Man könnte auch übersetzen rücksichtsvoll oder liebevoll.

Grund und Kraft für die Bescheidenheit liegen vor allem in der Tatsache, dass wir von Gott schon die Zusage seiner ganzen Liebe bekommen haben. Wir müssen nicht mehr durch Kampf unsere Anerkennung verdienen. Der Hebräerbrief formuliert das so: Ihr seid schon hinzugetreten zu einer lebendigen Festversammlung, deren Namen im Himmel schon verzeichnet sind. Und das Evangelium erinnert uns in einem schönen Bild daran, dass wir Gäste eines Hochzeitsmahles schon sind. Wir können uns darüber freuen, ohne noch zusätzlich um die besten Plätze raufen zu müssen.

Bescheidenheit wächst also aus der Liebe; so kann sie für uns und andere zum Segen werden.

 

Heute, 6.2.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Paul Miki und Gefährten

Lesung: 1 Kön. 8,1-7.9-13.

Evangelium: Mk. 6,53-56.

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