Bilder aus dem Pfarrleben
Drucken E-Mail

27. Sonntag im Jahreskreis: Glaube

Ich habe einige Zeit über dieses heutige Evangelium nachgedacht; beim ersten Lesen wirkt es unzusammenhängend und spröde: da ist das Bild vom Senfkornglauben, der Berge versetzen kann und dann ist da das Beispiel des Sklaven, der seinen Dienst tut, ohne sich darauf etwas einzubilden ... mich hat die eigenartige Spannung interessiert: Was wollte Jesus mit diesen beiden Vergleichen sagen?

Das Beispiel mit dem Sklaven, der seinen Dienst tut und dafür kein besonderes Lob erwartet, empfinde ich zunächst als problematisch und wenig erbaulich. Denn ich weiß, wie wichtig Anerkennung ist – und sei es für noch so eine kleine Tätigkeit. Deswegen glaube ich, dass Jesus mit dem Beispiel etwas anderes ausdrücken wollte:

Vielleicht wollte er mit dem Bild vom Sklaven die nüchterne Realität unseres Alltags beschreiben: da ist viel, was zu tun ist und wo wir nicht gefragt werden, ob wir es tun wollen. Verpflichtungen und Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, warten täglich auf uns. All das aber kann nicht den Sinn des Lebens ausmachen. Das ist erst das Fundament.

Deswegen bringt Jesus auch das Bild des Glaubens. Der Glaube erst schenkt unserer nüchternen Alltagsrealität eine neue Weite.

Der Glaube hilft uns, nicht stecken zu bleiben in der Routine und Mühseligkeit des Alltags. Er hilft uns, auf Gott zu vertrauen; zu vertrauen, dass er alles zum Guten führen kann, auch wenn wir jetzt noch durch ein dunkles Tal gehen müssen.

Der Glaube ermöglicht auch, dass Gott durch uns Großes wirken kann. Schon ein Senfkornglaube reicht aus, damit Berge zu versetzen: Berge von Schuld, Berge von Hindernissen, Berge von Mutlosigkeit...

Ich sehe die Quintessenz der Frohen Botschaft darin, dass sich unser Leben nicht in den Aktivitäten und Verpflichtungen erschöpfen und verlieren darf. Der Glaube eröffnet uns eine Weite, in der wir Sinn erahnen können. Im Vertrauen auf Gottes Kraft wird auch scheinbar Unmögliches möglich.

 

Heute, 19.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Kuno von Regensburg,  Hl. Maria Bernarda (Verena) Bütler,  Hl. Cölestin V

Lesung: Apg. 18,23-28.

Evangelium: Joh. 16,23b-28.

Nächste Termine