Kommt und seht ... Seelsorge & Spiritualität Sonntagswort Zum 25. Jahrestag von Tschernobyl
Bilder aus dem Pfarrleben
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Gottesdienst zum 25. Jahrestag von Tschernobyl

Voll Dankbarkeit können wir auf unsere Lebensbedingungen schauen. Wir wohnen in einem Land, das seit mehr als einem halben Jahrhundert Frieden hat, das Menschenrechte achtet und das uns durch die großteils intakte und geschützte Natur einen hohen Erholungswert und ein lebenswertes Umfeld bietet. - Das sind Qualitäten, die, für einen Großteil der Menschheit so etwas wie der Himmel auf Erden sind.

Von diesem Himmel herab zu steigen und sich um Sorgen und Nöte von Menschen zu kümmern, die das alles nicht haben, sehen wir als unseren Auftrag Gottes. Gott selbst ist in seinem Sohn Jesus Christus herabgestiegen, um mit uns zu sein und mit uns zu gehen.

(Edith Petrovics, einleitende Worte)

Die besorgniserregenden Ereignisse in Japan haben uns - genau 25 Jahre nach dem Unglück in Tschernobyl - unmissverständlich klar vor Augen gestellt, wie schnell unser Lebensraum gefährdet und zerstört werden kann. Wir fühlen uns aufgerufen, unser Tun und Handeln wieder neu zu überdenken. Zwei Bilder haben mir in den vergangenen Tagen die scheinbare Größe und die unvorstellbare Not des Menschseins in einem eklatanten Kontrast vor Augen geführt:
Auf der einen Seite ein Bild mit 5 weißen, modernen Gebäuden an einer Küste; fast idyllisch stehen sie am grünblauen Meer, dahinter - so weit das Auge reicht - das Grün von Wäldern: die 5 Atomkraftwerke von Fukushima vor dem Unglück. Dieses Bild suggeriert: der Mensch kann, wenn er will, sein Paradies schaffen. Atomenergie ist sauber und effizient.

Auf der anderen Seite dann das Bild von dem explodierten Reaktor in Fukushima. Grau in Grau. Zerfetzte Teile liegen herum. Rauch steigt auf. Und mir kamen sofort die schrecklichen Bilder von den bleibenden Folgen der Tschernobyl-Katastrophe in den Sinn, wo ein riesiges Gebiet für Jahrhunderte zum toten Land geworden ist – ohne Leben. Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Folgen für tausende Menschen bis heute.

Vielleicht zeigt uns gerade die Möglichkeit der Atomkernspaltung, dass wir Menschen zwar viel erreichen können, aber dass wir die Welt niemals nach Belieben im Griff haben können.

Wir dürfen und müssen in ihr gestalterisch tätig sein, aber immer auch im Bewusstsein der Verantwortung für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen.

Daher stellt sich auch in Europa nun die Frage neu: Darf der Mensch, was er kann? Wie viel Risiko ist tragbar? - Unwillkürlich ist mir der Zauberlehrling in den Sinn gekommen, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wird. - Ich denke, wir haben uns in vielfacher Hinsicht vom Machbarkeitswahn erfassen lassen und unsere Verantwortung für Nachhaltigkeit und sorgsamen Umgang mit der Schöpfung aus unseren Gedanken verdrängt.

Ich weiß, wir können vieles in der Politik nicht sofort bewegen. Zu mächtig sind die Lobby-Gruppen, die mit viel Geld die Atomkraft gepusht haben.

  • Wünschenswert wäre jedoch, dass in die Forschung im Bereich der Alternativenergie, in den Problemen Stromtransport und Speicherung viel intensiver geforscht und mehr investiert wird.
  • Wünschenswert wäre auch, dass auch die großen Stromabnehmer der Industrie einen angemessenen Preis zahlen müssen.
  • Wünschenswert wäre auch, dass Anreize zum Energiesparen gegeben werden.

Dort jedenfalls, wo wir stehen, können wir unseren Teil zur Gestaltung der Schöpfung beitragen. Auf das Argument, dass der einzelne ja nichts tun kann, sagt uns das Evangelium: So wie das kleine Senfkorn schon der Beginn sein kann, den Vögeln des Himmels Platz zu bereiten, so können wir im Kleinen beitragen, Lebensraum zu schaffen und ihn zu hüten.

 

Heute, 19.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Kuno von Regensburg,  Hl. Maria Bernarda (Verena) Bütler,  Hl. Cölestin V

Lesung: Apg. 18,23-28.

Evangelium: Joh. 16,23b-28.

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