Bilder aus dem Pfarrleben
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4. Fastensonntag: Blindgeborener

Mit der Heilung des Blindgeborenen zeigt der Evangelist Johannes den Glaubensweg eines Menschen auf.

Denn im Grunde wird jeder Mensch wie ein blinder Bettler geboren: Wenn ein Kind zur Welt kommt, dann ist es angewiesen auf andere: zuallererst auf die Liebe und Sorge der Mama. Es funktionieren zwar schon seine Augen, aber das Kind kann noch nicht viel wahrnehmen, es sieht die Einrichtungsgegenstände im Zimmer noch nicht – das einzige, was es sieht, sieht es eigentlich nicht, sondern es spürt: die Nähe der Mutter.

Erst im Lauf der Zeit, wenn ein Mensch im geschützten Lebensraum der Familie heranwächst, dann öffnen sich mehr und mehr die Sinne: und das Kind entdeckt schrittweise die Welt. Der Horizont des Sehens wird größer.

Dabei wächst auch die Erkenntnis: Ich bin Ich, und Du bist Du. Ich entdecke nicht nur die Welt rundherum, sondern auch die Menschen und wie sie zu mir sind. Ich sehe, was mir der andere gibt bzw. was der andere von mir braucht. Das ist auch ein Sehen. Ein soziales Sehen.

Und während dieses Entwicklungsprozess kann sich auch das innere Auge, das Auge des Herzens, öffnen: der Glaube. Immer braucht es dazu Begegnungen, in denen wir Zuwendung erfahren, die wir – oft auf sehr unterschiedliche Weise – als Zuwendung Gottes erkennen können.

Der Blindgeborene, das sind wir alle.

Gott wendet sich in Jesus uns allen zu: ob das Menschen sind, die uns in Liebe begegnen, ob das Menschen sind, die uns helfen, die Welt zu deuten,... in ihnen allen kann uns Gott helfend begegnen.

Und schrittweise kann sich nun das Auge des Glaubens auftun: dass wir Gottes Größe und Liebe erkennen und miteinander dankend preisen.

 

Heute, 22.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Rita

Lesung: Apg. 20,17-27.

Evangelium: Joh. 17,1-11a.

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