Kommt und seht ... Seelsorge & Spiritualität Sonntagswort Text zum Karfreitag (Gisbert Greshake)
Bilder aus dem Pfarrleben
Drucken E-Mail

KARFREITAG

Das Kreuz ist das äußerste Zeichen und die radikalste Konsequenz dessen, dass Jesus ganz für uns da war. Das Kreuz zeigt: die Liebe führt Jesus an den allerletzten Platz, in den tiefsten Abgrund – den er freiwillig auf sich nimmt.

Wenn wir auf das Kreuz Jesu schauen, sehen wir ein Dreifaches:

  1. Im Blick aufs Kreuz sehen wir die Bosheit der Welt, die einen Unschuldigen trifft. Jesus nimmt diese Schuld auf sich, schüttelt sie nicht ab, trägt sie durch bis zu seinem Tod. - Der Blick aufs Kreuz ist nach den Worten von Adrienne von Speyr eine große Beichte der Welt: denn ihre Sünde wird hier offenkundig und nicht verharmlost, verdrängt oder versteckt.
  2. Der Blick aufs Kreuz zeigt uns auch die Ohnmacht, Vergeblichkeit und Bruchstückhaftigkeit des menschlichen Lebens. Das Kreuz offenbart unsere Unfähigkeit, den eigenen Plänen und Entwürfen Ganzheit zu geben und Vollendung zu erlangen. Denn all das, wofür Jesus gelebt hat - für die Sammlung Israels und die Einheit der übrigen zerstreuten Kinder Gottes, für Versöhnung und Geschwisterlichkeit - all das ist (noch) nicht ans Ziel gekommen.
  3. Schließlich aber offenbart der Blick aufs Kreuz auch Jesu völlige  Hingabe, die seine Todesstunde zur Stunde der Verherrlichung und des Triumphes wandelt.  Im Johannesevangelium wird dies durch das Wort „Erhöhung“ zum Ausdruck gebracht: „Wenn ich aber erhöht sein werde, werde ich alles zu mir ziehen.“ Mit seinem letzten Atemzug wird nicht der Tod Jesu besiegelt, sondern durch seine völlige Hingabe wird das Werk der Erlösung vollbracht. Im Urtext heißt es: „Er neigte sein Haupt und gab seinen Geist hin.“ – im Augenblick des Todes übergibt uns Jesus seinen Geist, den Heiligen Geist, der nun als Geist Christi die ganz Schöpfung mit neuem Leben und dem Leben der Liebe erfüllt.

Kreuz und Auferstehung gehören also zusammen. Nur in ihrer Einheit können wir beides recht verstehen. Deshalb sprechen wir: „Geheimnis des Glaubens – im Tod ist das Leben!“

Aus: Gisbert Greshake, Und das ist Heute - Gedanken zur Karwoche


 

Heute, 22.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Rita

Lesung: Apg. 20,17-27.

Evangelium: Joh. 17,1-11a.

Nächste Termine