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Ostern: Alle werden auferstehenAuch Ostern ist nicht einfach Vergangenheit. Ostern ist heute! Denn was damals geschah, ist nicht abgeschlossen, fertig, vergangen, sondern ragt ins Heute, in jedes Heute hinein, bis es einmal am Ende aller Tage zur Vollendung und Erfüllung kommt. Ostern ist noch nicht abgeschlossen Ostern ist deshalb noch nicht abgeschlossen, weil wir noch nicht mit Christus in Herrlichkeit auferstanden sind. Denn was wir zu Ostern feiern, ist kein privates Geschehen an Jesus, etwas, was ihn allein betrifft. Nein, er, der unseren Tod auf sich genommen hat und für uns gestorben ist, er ist auch für uns auferstanden; seine Auferstehung gilt auch uns. Nur mit uns allen zusammen will er die Herrlichkeit des Vaters erfahren. Deswegen sagt Jesus zu Maria von Magdala: „Halte mich nicht fest, denn ich bin noch nicht aufgestiegen zum Vater. Seine Auferstehung geschieht also noch. Sie ist erst dann vollendet, wenn wir alle mit ihm an der Herrlichkeit des Vaters Anteil erhalten. Es ist so, wie wenn in einer Seilschaft – also in einer Gruppe von Bergsteigern, die im gleichen Seil hängen – der Führer den Gipfel als Erster erreicht hat. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, dass auch die übrigen nachkommen. Ostern ist also auch ein Fest von uns, dem ganzen Leib Christi. Die Auferstehung Jesu ist der Grund und der Beginn eines universalen, allumfassenden Geschehens, das die ganze Schöpfung mitzieht. Nicht Tod, nicht Hass, nicht Leiden haben das letzte Wort, sondern Leben in Fülle in der Herrlichkeit des Vaters mit Christus im Heiligen Geist. Auferstehung beginnt schon hier und jetzt Christus ist also der Erste, wir werden folgen. Heißt das: Bis dahin ist die Auferstehung für uns nur ausstehende Zukunft? Nein! Die Auferstehung erfasst auch uns schon jetzt. Das feiern wir in der Taufe: jetzt schon beginnt die verheißene Zukunft. Aber die Taufe ist nicht einfach nur ein liturgisches Geschehen; sie muss im Alltag verwirklicht werden. Und deshalb geschieht das „Mit-Christus-Sterben" immer dann, wenn der Mensch aus seiner Ich-Zentriertheit ausbricht, wenn er den Wahn ablegt, er könne aus sich heraus ohne Gott und gegen die anderen sein Leben führen. Da lässt der Mensch das hinter sich, was im Grunde nur Ausweglosigkeit und Tod bedeutet und beginne ein Leben, das Zukunft hat. Frei nach Angelius Silesius könnten wir sagen: „Wär Jesus tausendmal an Ostern auferstanden und nicht in dir – du würdest doch zuschanden!" Ostern feiern wir deshalb nur dann in rechter Weise, wenn wir uns von der Auferstehung Jesu anstecken lassen und Leben verwirklichen: Versöhnung wagen, Frieden stiften, die Liebe teilen. Aus: Gisbert Greshake, Und das ist Heute
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