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Warum Leid?

Kurz nach dem Tsunami-Unglück und der Reaktorkatastrophe in Japan hat mich ein Mann vorwurfsvoll angesprochen: Was ist nun mit Ihrem Gott – Warum lässt er soviel Leid auf der Erde zu?

Die Frage, wie ein gütiger Gott und das Leid zusammen passen, wird wohl immer ohne eine befriedigende Antwort bleiben müssen. Manches Unglück, das z.B. selbstverschuldet ist bzw. von dem wir die Ursachen kennen, kann erklärt und dann auch abgewendet werden. Aber viele Warum-Fragen nach dem Grund eines Schicksalsschlages müssen wir ohne Antwort lassen.

Das heutige Evangelium stellt den Petrus in den Mittelpunkt, wie er sich gegen das Leid auflehnt. Und damit ist er mir sehr sympathisch, denn er nimmt hier einen sehr menschlichen Standpunkt ein. Es ist menschlich und gut, dass wir uns zunächst gegen das Leid wehren und auflehnen.

Petrus steht aber auch dafür, dass wir uns Schritt für Schritt dem Kreuz stellen müssen, das wir alle auf die eine oder andere Weise zu tragen haben. Aber das ist nicht leicht. Es bedarf dieses harten Wortes Jesu: Hinter mich! Wenn du den Weg Gottes gehen willst, den du ja in deinem Glaubensbekenntnis erkannt hast, dann musst du mir auch in meinem Schicksal folgen.

Ich denke, dass das Kreuz Jesu ein Symbol für das Leiden der ganzen Schöpfung ist, die noch in Geburtswehen liegt. Wir sehen noch nicht die Vollendung und kennen daher auch den Grund des Leides nicht. Aber wenn wir im Glauben an Jesus unser eigenes Kreuz auf uns nehmen, ist uns auch ein Leben verheißen, das von den Mächten der Unterwelt nicht besiegt werden kann.

Es gibt da eine mittelalterliche Legende von den Kreuzen. Ein Mensch meint, dass sein eigenes Kreuz zu schwer sei und er bittet Gott, sich ein anderes aussuchen zu dürfen. Und Gott gewährt ihm einen Blick in einen Raum voller Kreuz. Der Mensch probiert ein besonders kleines, aber es ist bleischwer. Dann versucht er ein ganz dünnes, aber es hat eine spitzige Oberfläche. Nach vielen Versuchen findet er endlich ein unscheinbares Kreuz in der Ecke stehen, das ganz zu ihm und seinen Kräften passt. Es war sein eigenes Kreuz.

Ich glaube, wir sind alle in diesen oft schmerzvollen Geburtsprozess der Schöpfung auf persönliche Weise eingebunden: dabei werden unsere Liebe und unser Glaube herausgefordert, um zu reifen. Der Blick auf den Gekreuzigten und Auferstandenen Herrn ist uns dabei immer Trost und Hoffnung.

 

 

Heute, 22.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Rita

Lesung: Apg. 20,17-27.

Evangelium: Joh. 17,1-11a.

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