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24. Sonntag im Jahreskreis: Zu Rache und Vergebung

Zu Rache und Vergebung ist allein der Mensch fähig. Kein Tier wird sich an einem anderen Lebewesen aus Hass oder Wut rächen. Ebenso ist die Vergebung etwas, wozu nur der Mensch fähig ist – es ist eine besondere Auszeichnung und Begabung.

Doch Vergeben ist nicht immer leicht. Es gibt Wunden, wo wir denen, die sie uns geschlagen haben, nur schwer oder gar nicht verzeihen können.

 

Wenn Jesus sagt „Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist!" dann übersteigt das eindeutig unsere menschlichen Grenzen und Fähigkeiten. Aber er mutet uns diese Barmherzigkeit Gottes trotzdem zu. Das Christentum fordert uns also heraus, immer mehr in der Liebe zu wachsen, ja sogar darin göttlich zu werden.

In der Bibel finden wir deshalb mehrere Stufen, die auf dem Weg zur Vergebung hin beschritten werden müssen. Vielleicht müssen wir nicht alle in gleicher Weise durch leben, aber zur letzten können wir auf keinen Fall sofort springen.

  1. Blutrache (7- maliges Rächen),
  2. Aug um Aug (Gleiches mit Gleichem),
  3. Nicht zurück schlagen (auf Vergeltung verzichten),
  4. die andere Wange hinhalten (den Teufelskreis der Gewalt bewusst in eine andere Richtung lenken),
  5. Unendlich vergeben (7 mal 77 mal -barmherzig sein, wie Gott es ist)

Gott vergibt immer. Das wurde vielleicht oft nicht so klar gesagt, wenn mit seiner Allmacht gedroht wurde, oder wenn man das Christentum als moralische Aufseherin dargestellt hat.

Aber Gott ist in einer gewissen Weise auch an unsere Vergebungsbereitschaft gebunden, denn nur in unserer Bereitschaft zu vergeben, kann die Barmherzigkeit Gottes konkret erfahrbar gemacht werden. Das will das krasse Beispiel von der Strafe des Königs sagen, der den, der nicht vergibt, den Folterknechten überlässt. Wer nicht vergibt, wird also nicht von Gott bestraft, sondern begibt sich selbst in die Situation des Leids, die wie eine Folter ist.

Henry Boulad hat einmal gesagt: „Man kann das Herz immer größer machen, als das ist, was einem angetan wurde." – Aber dieser Weg dorthin ist ein Prozess. Im Vater unser bitten wir um die Hilfe Gottes für diesen Prozess: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!" Ich formuliere das immer um, weil ich denke, dass das mehr aussagt. „Lass uns barmherzig sein, wie du es bist!" – „Lass uns vergeben, wie du es tust!"

 

Heute, 22.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Rita

Lesung: Apg. 20,17-27.

Evangelium: Joh. 17,1-11a.

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