Bilder aus dem Pfarrleben
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27. Sonntag im Jahreskreis: Zäune, Früchte, Vertrauen

Ich möchte heute über drei Dinge reden:
  1. Grenzen und Zäune

    Das Weinberglied aus dem Buch Jesaja schildert einen Winzer, der mit Liebe und Leidenschaft einen Weinberg anlegt und mit einem Zaun umgrenzt. Doch es gibt nur saure Trauben zu ernten. So beschließt er, die Zäune einzureißen und den Weinberg für alle zugänglich zu machen, was auch eine Verwüstung durch Eindringliche nicht ausschließt.

    Dazu sind mir Kindheitserinnerungen hoch gekommen. Meine Eltern sind nämlich auch Weinbauern. Als Kind habe ich mir manchmal einen Bauernhof samt Äckern und Weingärten erträumt, den ich dann auch gerne eingezäunt hätte; um damit auszudrücken: das gehört mir. – Im Lauf meines Lebens aber habe ich erfahren, dass nichts nur mir allein gehört und dass man auf Dauer keine Zäune errichten kann. Denn die Schöpfung ist auf Entwicklung hin angelegt, die über alle jetzigen Grenzen hinausgeht. Wir spüren ja auch immer stärker, dass die ganze Welt zusammenwächst, mit allen positiven und negativen Folgen. Auch die Kirche kann sich keinen bequemen Rückzugsort innerhalb ihrer Grenzen sichern. Die Kirche als Ganzes und alle ihre Glieder müssen sich dem Wirken des Geistes aussetzen, der Grenzen überwindet.

  2. Früchte unseres Lebens
    Jesus erzählt das Weinberglied aus dem Buch Jesaja mit einem neuen Akzent. Es geht um das Abliefern eines Anteils an Früchten. Wir sind die Winzer, die oft schon vergessen haben, dass die Früchte der Erde nicht nur für uns allein sind. Nicht Gott braucht den Anteil, sondern der abzuliefernde Anteil für die Gemeinschaft. Alles, was einer bewirkt und tut, soll auch anderen zugute kommen. Darauf haben wir vergessen und machen auch die Boten der Schöpfung und die Stimme des Gewissens mundtot, indem wir sie nicht zu Wort kommen lassen. Wir könnten uns überlegen, welche Früchte uns anvertraut worden sind und wie wir sie miteinander teilen. Und als Gipfelpunkt im Gleichnis Jesu ist es der Sohn des Winzers selber, der Opfer wird. Das ist wichtig zu sehen: Nicht Gott straft die bösen Winzer, wie das die Hohenpriester und Ältesten meinen, sondern Gott gibt sich selber als Frucht und Nahrung für alle hin. Dort wo die Winzer den Anteil an Früchten zurück halten, dort eröffnet Gott durch die Hingabe seines Sohnes einen neuen Weg; in der Nachfolge seines Sohnes sind auch wir eingeladen, unser Leben als Nahrung füreinander zu sehen.
  3. Sorglosigkeit aus Vertrauen

    Wir stehen heute in einer besonderen Umbruchssituation, in der sich so vieles in der Welt wandelt und in der vielleicht auch die Angst auf kommen könnte, dass wir zu wenig haben werden. Doch gerade da ruft der Apostel Paulus zur sorglosem Vertrauen auf: Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lebenslage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt wird euch in der Gemeinschaft mit Christus bewahren. Dieses Vertrauen in den Geist Gottes ist heute mehr denn je notwendig. Wenn Grenzen und Zäune einbrechen, wenn Angst aufsteigt, dann sollten wir daran denken: Gott wird die Schöpfung begleiten und vollenden.

 

Heute, 22.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Rita

Lesung: Apg. 20,17-27.

Evangelium: Joh. 17,1-11a.

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