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29. Sonntag im Jahreskreis: Gott gehört alles

Jesus wird mit einer Entweder–Oder Frage in eine Falle gelockt: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht? Die Kunst des Lebens aber besteht in einem Sowohl-Als auch. Deswegen sagt Jesus: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers und Gott, was Gott gehört! – Also frage ich: Was gehört denn Gott und was dem Kaiser / der Welt?

Ich habe den Eindruck, dass sich in unserer Zeit die Dinge immer mehr hin zum Kaiser, dem Vertreter der Welt, bewegen: wenn früher noch relativ viel Platz für Gott war, ist heute scheinbar das Gegenteil der Fall:

Die Wirtschaft holt sich, was sie braucht, auch den Sonntag.

Die Wissenschaft versucht viele der Rätsel zu lösen, die früher als Gottes Geheimnis betrachtet wurden.

Und im Privatleben, was geben wir da Gott? Da gibt es soviel an Aufgaben und Herausforderungen, dass für Gott kaum Zeit und Raum bleibt.

Der Kaiser, das sind heute: Wirtschaft, Wissenschaft, Privatangelegenheiten, Sachzwänge,... Aber was gehört den dann noch Gott, was können wir ihm geben?

Mein Antwort-Ansatz richtet sich in dieser Frage nach einem Zitat aus dem Buch Jesaja; dort heißt es: „So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße. Was wäre das für ein Haus, das ihr mir bauen könntet? Was wäre das für ein Ort, an dem ich ausruhen könnte? Denn all das hat meine Hand gemacht; es gehört mir ja schon."
In diesem Sinne gehört Gott alles. In diesem Sinne ist alles göttlich. Ohne das Wort Gottes wäre nichts, was geworden ist; und ohne Sein Wort hätte nichts Bestand.

Gott gehört alles, aber er hat uns alles übergeben und anvertraut. Gott zu geben, was Gottes ist, heißt: in Seinem Sinn in der Welt leben und handeln.
Am deutlichsten können wir an Jesus ablesen, was im Sinne Gottes ist; deswegen sagt Paulus einmal in einem Brief: lebt so, wie es der Gesinnung Jesu entspricht ...

Wir brauchen also aus der Welt nicht zu flüchten. Aber wenn wir im Sinn Jesu zu leben versuchen, dann müssen wir vielleicht manchmal gegen menschenverachtende Strukturen protestieren, dann müssen wir aufschreien, wenn Politik und Wirtschaft den Menschen in seiner Würde nicht mehr im Blick haben. Dann müssen wir Stellung beziehen, wenn in der Kirche die Strukturen wichtiger werden als Menschen und lebendige Beziehungen.

Wer Gott geben will, was ihm gehört, der muss immer wieder lernen und hinhören, was Gottes tiefster Wille ist.

 

Heute, 22.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Rita

Lesung: Apg. 20,17-27.

Evangelium: Joh. 17,1-11a.

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