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30. Sonntag im Jahreskreis: Wie Gott lieben? Und warum?Das Gebot der Selbst- und Nächstenliebe ist in einer humanistisch geprägten Kultur wie der unseren leicht verständlich. Aber wie sollen wir das Gebot der Gottesliebe verstehen? Ich kann ja Gott nicht angreifen, nicht umarmen, ihn nicht berühren. Wie soll ich Ihn dann lieben? Und warum überhaupt? Vielleicht kann uns auf diese Frage ein Bild weiter helfen - das Bild vom Kind im Mutterschoß: das Kind kann die Mutter noch nicht bewusst lieben; aber um wachsen und leben zu können, braucht es eine nährende Verbindung: die Verbindung über die Nabelschnur, die Verbindung über das Fruchtwasser, die Verbindung über die Herztöne usw. Diese Beziehung ist ein Bild für unsere Liebe zu Gott: nämlich sie ist zuerst ein sich lieben lassen und weniger ein willentlicher Akt von uns. Sie besteht also in einer ganzheitlichen Bejahung unseres Lebensgeschenks. Sie kann daher immer nur eine Antwort sein auf den Geber. Die Liebe Gottes ist schon immer vor uns da. Aber aus der schenkenden Beziehung kann unser Leben und unsere Liebe reifen: zu uns selbst, zum Nächsten und zur Schöpfung.
Mit einem Wort: das Gebot der Gottesliebe ist eher ein Geschenk als ein Gebot. Dieses Geschenk führt uns aus der Enge in die Weite und Freiheit des gemeinsamen Lebens.
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