Bilder aus dem Pfarrleben
Drucken E-Mail

32. Sonntag im Jahreskreis: Öl der Echtheit

Man muss nur rechtzeitig drauf schaun, dass man´s hat, wenn man´s braucht! - So ließe sich das heutige Evangelium mit einem Satz kurz zusammenfassen - doch es bleiben Fragen offen: Wieso ist der Ölvorrat das Einlasskriterium zum Hochzeitssaal? Warum zählt nicht der gute Wille, das ganze Bemühen und Warten vorher? Warum wird da so eine strikte Trennung gemacht zwischen töricht und klug? Es gehen doch alle Mädchen los; alle sind also im Grunde bereit; denn alle haben ihre brennenden Lampen dabei. Zudem freuen sich alle auf die Hochzeit. Schließlich schlafen auch alle aufgrund des langen Wartens ein.

Unser natürlicher Gerechtigkeitssinn würde das lange Wartenmüssen als hinreichenden Entschuldigungsgrund akzeptieren, denn was können die armen Mädchen dafür, wenn der Bräutigam so lange nicht kommt? Sie haben ja ihren guten Willen gezeigt. Und nun lässt man sie einfach abblitzen und drückt ihnen noch dazu das Prädikat „töricht“ auf.
Ich will nun darlegen, was mir diese Stelle sagt: Zunächst denke ich, wird da keine Aussage über das letzte Gericht getroffen; es ist eine Mahnrede, die uns heute angeht. Es ist eine Aufweck-Geschichte.
Worauf kommt es nun an, auf was müssen wir schauen – rechtzeitig, damit wir´s haben, wenn´s wichtig ist? Was ist das Öl in unserem Leben, auf das wir immer wieder schauen müssen?

 

Viele Menschen sind in jungen Jahren noch voller Enthusiasmus und Visionen. Sie legen ihre Kraft und ihr Talent in die Waagschale ihres Lebens. Doch je älter sie werden, je mehr sie durch den ganzen Stress, durch die vielfältigen Belastungen in Familie und Beruf gefordert werden, desto mehr lassen sie sich von anderen Dingen bestimmen. Nicht mehr sie selbst leben, sondern sie werden gelebt; ihre Meinung, ihr Gefühl kommt nicht mehr zur Sprache, sondern wichtig werden Gewohnheit und Geld. Unbewusst in unserem Inneren verschieben sich die Akzente. Wir sagen uns: Ja, es wird schon nicht so schlimm sein, wenn ich jetzt anders lebe, als ich mir das vor Jahren vorgestellt habe; jetzt wird eben von mir so viel anderes gefordert, aber später kann ich dann wieder so leben, wie ich es für gut empfinde. Wir lassen das Öl unserer Echtheit, unsere Eigenart versickern, wir stumpfen ab und spielen eine Rolle. Die Routine des Alltags bestimmt unser Leben. Doch Gott hat uns als Unikate erdacht – So wünscht er sich uns!

Wir könnten uns fragen: Wo ist jenes Öl früherer Tage? Wo ist jenes Öl der Echtheit, das uns niemand anderer verkaufen kann, weil dafür nur wir zuständig sind?
Nur wenn wir echt sind ohne Fassaden, kann Gott uns an unserer Einzigartigkeit erkennen.
Nur wenn wir das Öl der Echtheit nicht versickern lassen, können wir brennen.

 

Heute, 22.5.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Rita

Lesung: Apg. 20,17-27.

Evangelium: Joh. 17,1-11a.

Nächste Termine