Neujahr 2012
Ich finde es schön, dass wir das Neue Jahr mitten in der Weihnachtszeit beginnen: denn durch diese Zeit schwingt die Botschaft, dass Gott die Welt nicht aufgegeben hat, sondern dass er sie in aller Dunkelheit besuchen möchte, und in ihr Wohnung nehmen möchte.
Deswegen ist es für mich sehr passend, dass wir ein neues Jahr in der Weihnachtszeit beginnen dürfen – in einer Zeit der Hoffnung.
Das Evangelium von der Begegnung der Hirten mit dem neugeborenen Kind ist für mich in dreifacher Hinsicht frohe Botschaft am Beginn des neuen Jahres:
- Der Name Jesus
Man gab dem Kind den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch bevor das Kind im Mutterschoß Marias empfangen wurde: Dieser Name ist der innerste Ausdruck der Absicht Gottes mit seiner Schöpfung; er bedeutet: Gott rettet, Gott heilt. Und Gott rettet durch menschliche Zuwendung. In der ersten Lesung wurde es in einem schönen Bild ausgedrückt: Gott lässt sein Angesicht über uns leuchten. Gott wird retten auch im neuen Jahr, nichts lässt er verloren gehen. Sollten uns auch schwere Dinge widerfahren, Gott wird uns behüten und alles zu einem guten Ende, zur Vollendung bringen. Der Name Jesus und das Leben Jesu sind uns dafür ganz intimes Zeugnis Gottes.
- Gott spricht zu einfachen Hirten, die sich in Bewegung setzen
Hirten erfuhren zuerst von der Offenbarung Gottes in einem kleinen Kind. Hirten waren eigentlich Analphabeten. Sie waren einfache Menschen ohne Schulbildung – und trotzdem waren sie empfänglich für das Wesentliche, was das Herz mit Freude erfüllt. Sie haben die Gegenwart Gottes in diesem Kind wahrgenommen. Das ist doch sehr tröstlich für uns, dass Gott von uns keine Leistungen erwartet, bevor er mit uns spricht. Gott spricht unser einfaches vertrauendes Herz unaufhörlich an. Wir aber müssen wie die Hirten uns aufmachen, in Bewegung bleiben.
- Maria bewahrt alles in ihrem Herzen
Maria hat nicht gleich alles begriffen, was Gott mit ihr vorhat und was die Menschen über ihr Kind gesagt haben. Aber sie hat es in ihrem Herzen bewahrt und darüber nachgedacht. Im Herzen bewahren ist das Gegenteil von Nicht-Vergessen können und nachtragen. Im Herzen bewahren heißt, die Dinge mit Liebe umgeben. Wenn wir im kommenden Jahr Erfahrungen machen, deren Sinn wir nicht gleich erfassen, dann dürfen wir uns an Maria halten: die Dinge mit der Liebe des Herzens anschauen, bis uns der Geist Gottes selber deren Sinn und Wert erschließt.
Alles in allem ist es eine Botschaft der Zuversicht, die uns getrost in ein neues Jahr gehen lässt!
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