Bilder aus dem Pfarrleben

2.Sonntag im Jahreskreis: Komm und sieh ...

Predigt zu Joh 1,35-42 von Diakon Christian Scharrer

Die Welt ist voller Bad News; die findige Medienindustrie hat den Leitsatz: „Bad News Are Good News" und auch Unterkategorien wie „Crime Sells". Auch politische Medienlöcher werden oft gefüllt mit Kampagnen gegen missratene Köpfe.

Aber nicht nur TV und Zeitungen, nicht nur die Nachrichten sind voll davon, diese Nachrichten laufen auch im allgemeinen gesellschaftlichen Gerede.

Anscheinend dürsten wir immer wieder nach außergewöhnlichen Spektakeln. Vielleicht schließen wir uns auch deshalb gerne diesem Rummel an, weil wir wissen, dass echtes Leben eben immer auch mit der Erfahrung des Negativen zu tun hat. Es wirkt, als habe die ganze Gesellschaft gleichsam das Lieblingsspiel: „Wir zeigen lästernd mit dem Finger auf die Bösewichte!"

Da gibt es schnell für uns Menschen, über die man sich auslassen kann, die uns gegen den Strich gehen, die keine Moral haben, die Welt verführen, die falsche Wege gehen, die die Welt krank werden lassen und dafür noch Bonuszahlungen oder Superpensionen bekommen und mit Diplomatenpässen reisen.

Obwohl es längst allgemeine Unterhaltung ist, auf solche Sachen oder Personen aufmerksam zu machen, müssen wir uns fragen: „Wo führt es uns hin?" Wird unsere Situation dadurch tatsächlich besser? Oder ist es heimliche Ablenkung; denn irgendwer muss ja immer schuld sein an allem; also her mit dem Sündenbock!

Johannes richtet seinen Blick auf Jesus. Er weist seine Jünger darauf hin, was in ihm zu finden ist. Was sie erwarteten, von Herzen ersehnten, kommt zur Erfüllung in IHM.

Wir brauchen die Wahrnehmung des Zielführenden. Wir brauchen Gegenmodelle zum Gerede, das nicht heilt. Wir brauchen Mut über gelungenes Leben zu sprechen, geglückte Beziehungen, erfüllte Lebensmomente. Wir dürfen doch auch Erfahrungen berührend-befreiender Religiosität, und trostreicher – begeistender Nähe Gottes und seiner Gnade machen.

In der Textstelle ist die Rede von Menschen die auf einen zielführenden Hinweis hören: Sie schauen – von wem ist die Rede – und gehen ihm nach. Sie sind nicht wie andere Menschen so von ihrer Welt blockiert, dass sie erfüllungsresistent wären; sie bewegen sich weiter; ändern die Jüngerschaft; steigen um vom Bummelzug in den Eilzug zur Erlösung; ändern sich und richten ihr Leben neu aus.

Jesus fragt: Was wollt ihr? Wir müssen uns fragen, wozu wir Jesus folgen wollen. Was wir in ihm erwarten; denn auch bei uns darf nicht alles beim alten unerfüllten sich sehnenden ICH bleiben. Aber wenn wir wirklich Sehnsucht nach dem Heil haben, das er bieten will, wenn wir auf ihn unsere Hoffnung setzen, müssen wir die Frage stellen: Meister wo wohnst du? Wir müssen aber wirklich bereit sein zu erfahren, wo Jesus wohnt; wenn wir die Frage nach ihm stellen. Denn auch hier wird die Antwort nicht unbedingt so ausfallen wie wir gerne hätten. Es wird keine lange Rede sein, keine Grundsatzerklärung, kein offener Brief, keine Medienerklärung, keine neue Initiativenprinzipienlehre; sondern konkretes Erleben – nicht weg vom Gewohnten, sondern hinein in Gewöhnliches, das oft gar kein Spektakel ist. Das einfache: Komm und sieh! Es geht um unser wirkliches Leben, nicht um ein erträumtes. Es geht um den neuen Blick auf das Leben, das wir längst schon leben, allerdings mit einer Komponente, die den Unterschied ausmacht. Die Nähe Jesu, der mir hilft mein eigenes Leben zu umarmen und mich gleichzeitig mit ihm anzunehmen und befreit durchzuatmen. Die Erfahrung des Heils zu machen, das durch seine vergebende Liebe bei mir ankommt.

Die Jünger blieben bei ihm; schön wenn auch wir nicht im festgefahrenen Trott feststecken, der uns dazu verführt wieder atemlos weiterzuhetzen, Jesus nur als Kurzzeitbelustigung, erfrischende Abwechslung sehen, und morgen wieder irgendwelchen Wir-bauen-eine-bessere-Kirche-Propheten nachlaufen.

Aus dieser Stelle und den Dialogen - den Fragen des Lebens und den Antworten - sollten wir uns heute einiges mitnehmen.

  1. Verweisen wir auf das Positive, helfen wir der Welt, den Blick auf Christus zu richten.
  2. Wo wir Böses ansprechen, nur um es hinter uns zu lassen, um es vergebend in Verzeihen einzutauchen, damit neues Leben und neue Gottesbegegnung möglich ist. Letztlich kann auch der beste Sündenbock nicht das tun, wofür das Lamm Gottes steht; Schuld wirklich hinwegzunehmen und Menschen zu befreien.
    Denn so sehr echtes Leben der Welt mit der Erfahrung der Negativität zu tun hat, das urechte Leben durch Christus hat immer mit der Erfahrung der Positivität zu tun - in der Verheißung: „Du kannst dich davon lösen, was als Böses von dir verschuldet ist!"
  3. Bereit zu sein wie die Jünger: sich neu auszurichten, mit Jesus mitzugehen, in das Leben, in mein Leben, in das hinein er angekommen ist.
  4. Diese Jünger wurden durch ihre Bereitschaft und ihre Erfahrung zu wertvollen Zeugen, die das von Jesus ausgehende Heil publik gemacht haben und dadurch die Welt positiv verändert haben. Selbst Petrus wurde nicht von Jesus, sondern zunächst von solchen bewegten Bewegern angesprochen. Das zeigt, dass unsere Aufgabe in keiner Weise geringzuschätzen oder zu vernachlässigen ist.
    Wir sind diejenigen, die der Welt - in ihrem Sehnen nach Frieden, in ihrer Suche nach Versöhnung und einem Ausbruch aus der Schuld, in ihrer Sehnsucht nach neuem Leben - diesen Blick auf Jesus öffnen können, denn in ihm ist das Heil der Welt.

Archimedes rief bei seiner Entdeckung freudig: „Heureka" und lief nackt durch die Stadt. Wir müssen ja nicht unbedingt nackt durch die Stadt laufen, aber die Welt könnte ruhig ein freudiges Heureka von uns verkraften. Heureka, wir haben das Heil gefunden in Jesus, dem sündenvergebenden Neuaufbruch Gottes mit uns Menschen.

 

Heute, 22.2.2012

Heilige/r des Tages:
Hl. Isabella von Frankreich

Lesung: Joel 2,12-18. 2 Kor. 5,20-21.6,1-2.

Evangelium: Mt. 6,1-6.16-18.

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