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7. Sonntag im Jahreskreis: Das Lob des kreativen MutesPredigt zum Lesejahr B; Mk 1,1-12 von Diakon Christian Scharrer Können Sie sich überhaupt noch erinnern, an eine Messfeier, bei der sich die Leute so drängen mussten, dass man schier keinen Platz fand hineinzukommen? Ich denke mir, dass wir in unserer zeitgeschichtlichen Gegend mit solchen Problemen eher wenig konfrontiert sind. Das Evangelium spricht aber davon, und man muß sich fragen, wie Menschen es fertigbringen, solche Hürden zu überwinden, die vor der Begegnung mit Jesus genommen werden müssen. Eine mögliche Antwort wird in der Sehnsucht liegen. Sie hat die Kraft, das Gewöhnliche zu überschreiten. Auch in Situationen, die außergewöhnliche Kreativität, und Mut erfordern, bringt sie es fertig unübliche, ja seltsame, auffällige und unorthodoxe Wege zu beschreiten. Sie bezieht ihre Kraft aus der Hoffnung, aus der Zuversicht auf Besserung, aus dem Bedürfnis und dem Wunsch nach Begegnung mit einer Gnade die auch das Übliche überschreitet. Sie sucht eine Begegnung mit Gott, die Leben neu definiert, Grenzen sprengt, das Sein öffnet zum Unvorstellbaren. Wir blicken uns um und denken, bei uns braucht niemand durch das Dach hereinkommen, es ist Platz genug, längst schon gehen nicht mehr alle Christen am Sonntag zum Messopfer. Ohne Mühe hat man Platz genug. Im Evangelium heißt es, alle drängten sich zu Jesus und es war kein Durchkommen zu Ihm. Haben wir es jetzt wirklich leichter? Ich denke mir, dass wir räumlichen Platz und den geistig, seelischen Raum nicht verwechseln dürfen. Wir leben in einer Situation, wo der Blick auf Jesus nicht möglich ist, ja wo die Wege zu ihm genauso verbaut und verstellt sind, wie wir im Text lesen. Die Einstellung der Zeit, dass Religionen gleich-wertig wären, oder man am Besten, überhaupt keine Religion ausübt, da dies nur unnötiger Ballast sei, Einschränkungen, von denen sich der moderne Mensch am Klügsten längst befreit hat. Die Haltung der Gesellschaft, dass Werte, Sitten und Gebräuche idealerweise nur durch menschliche Abmachung, Konventionen, Kompromisse und Verträge oder gar nur aus Lust und Gefallen normiert sein sollten. Wenn Stimmen laut werden, die behaupten es gäbe das Leben nur dort zu schützen, wo es sich selbst verteidigt und der Bequemlichkeit nicht im Wege steht, weil es nicht mühsam andere Personen belastet. Überlegungen in Wirtschaft und Politik, die dem Menschen einreden, alles käme nur auf Intellekt und die richtigen Ausgangspositionen für eine gelungene Karriere an. In diesem Gewirr der Meinungen, Weltanschauungen und Argumenten eines frei-geistigen Lebens, wird Jesus schnell unsichtbar und tatsächlich, man findet keinen Weg mehr zu ihm. Da braucht es Freunde, die nicht aufgeben, nach Wegen zu suchen, um dem Einzelnen Kontakt mit dem Wort Gottes zu ermöglichen. Da braucht es Gruppenleiter oder Paten aber vor allem die Familie mit allen möglichen Tanten, Onkels, Opas und Omas, die sich nicht zu schade sind, Verständnis zu zeigen für diese schwierige Situation. Sie helfen, dass die Antriebskraft, Jesus zu suchen nicht erlahmt, dass Orientierung möglich wird, um auf der Suche nicht in die Irre zu gehen, dass man Ideen und Unterstützung findet, selbst auf nicht gewöhnlichen Wegen zu Jesus Kontakt zu finden. Trotz aller Helfer und Hilfestellungen darf ein anderer Punkt aber auch nicht übersehen werden. Dieser gerade erwähnte Gedanke wiegt meines Erachtens nach schwerer als seine Länge es vermuten läßt. Zugleich führt er zum dritten wesentlichen Punkt: die Position Jesu; seine Person; sein Sein! Es ist unglaublich und für die anwesenden Pharisäer eben unerhört, denn Jesus übernimmt die Rolle Gottes. Ohne theologische Diskussion, ohne Pharisäer und Schriftgelehrte in sein Tun einzubeziehen, sich zu beratschlagen. Was hörten wir heuer bereits in den wenigen Textzeilen des Markus? In dieser seiner Macht, sagt er heute: Das Wort. Es ist zwar nicht der Johannes-Prolog, mit seiner inhaltsschweren Logos-Theologie, aber es ist dennoch ein klarer Verweis. Hier spricht sich Gott aus. Und wie drückt er sich aus? Barmherzigkeit erweisend, Gnade schenkend, vergebend, versöhnend und dadurch auch das Leben total zum Guten hin umkrempelnd. Es ist seine Macht. Und er setzt sie ein nach dem Willen des Vaters. Er baut die Brücke für des Vaters Gnade, er füllt die Gräben zwischen Mensch und Gott, die sonst oft zu Gräbern für die Seelen werden, die um sich selbst kreisend sich verlieren und im Dunkel zu Grunde gehen. Er macht deutlich, dass die Welt nicht Maßstab ist, aber das Irdisch- Leibliche zum zeichenhaften Erweis der Güte Gottes werden kann, wenn sich ein Geschöpf ihm ausliefert. Wie Jesaja schon verkündet in der ersten Lesung: Ich bin es, der deine Vergehen auslöscht. Seht her, ich mache etwas Neues. Auch Paulus verbürgt: Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat. Das heißt im Sinne der Schrift, das Ja zu einem geheilt- erfüllten Leben in der Begegnung mit dem allmächtigen Gott selbst. Nehmen wir uns das heute mit: Ja: Seid mutig, seid kreativ, helft eurer Umwelt, den euch Anvertrauten, zu Jesus zu finden, über alle Schwierigkeiten unserer modernen Welt hinweg. Seid tapfer und seid euch nicht zu schade, anderen zu helfen, Begegnung mit Gott erfahren zu dürfen. Das wird uns letztlich jeden Sonntag, in jeder Liturgie erfahrbar werden, dass alles Tun von uns nur eine Heranführung sein kann, und menschliche Actio sich schweigend zurückziehen muß um sich dem auszuliefern, was Jesus an uns tut, und auf welche Weise er es tut. Wir dürfen aber sicher sein. Sein Tun an uns ist vollständiger, verwandelnder und heilender als wir es uns in unseren Wunschträumen ausmalen können.
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