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10. Sonntag im Jahreskreis: Adam, wo bist du?Zu unserem Glauben gehört die Überzeugung, dass Gott nicht nur alles geschaffen, sondern auch alles gut geschaffen hat. Erinnern wir uns an die poetische Erzählung aus der Osternacht: nach jedem Schöpfungstag hieß es „Gott sah, was er gemacht hatte – es war sehr gut!" Es gibt in unserem Leben viele Erfahrungen, die diesen Glauben bestätigen: wenn wir die Wunderwerke der Natur bestaunen, wenn wir uns glücklich und geborgen fühlen, wenn wir geliebt werden ... Doch sehr oft müssen wir auch feststellen: dass vieles im Leben nicht gut ist, dass Leid, Not und Brüche unseren Alltag kennzeichnen. Auch diese Lebenserfahrungen deutet die Bibel und erzählt davon in mythologischer Sprache: der Verlust des Paradieses.Mir ist wichtig, diesen Verlust des Paradieses nicht als Strafe Gottes zu verstehen, denn sonst müsste man zurecht fragen: Warum gibt Gott dem Menschen zu etwas Fähigkeiten, was er dann sanktioniert. Im Evangelium wird ebenfalls von diesem Beziehungsverlust gesprochen, wenn die Verwandten Jesu das Vertrauen zu ihm verlieren und ihn zurecht stutzen wollen. Mit Sünde gegen den Geist ist hier das Abschneiden der Beziehung gemeint. Wer sich aber immer wieder hörend auf Gott einlässt, dem wird diese Beziehung von Gott her erneuert. Deswegen kann auch Paulus im 2. Korintherbrief sinngemäß sagen: Auch wenn wir jetzt vielleicht in Not sind und Gott nicht unmittelbar spüren, vertrauen wir auf ihn und auf seine reiche Gnade, die uns zuteil werden wird. Wer die Beziehung zu Gott aufnimmt, wer glaubt, der wird auch schon von dem gehalten, was er noch nicht sieht. Ich komme wieder zur ersten Lesung zurück: Nicht die Vertreibung aus dem Paradies und die folgenden Schuldzuschiebungen sind zentraler Punkt der Frohen Botschaft. Die eigentliche Frohbotschaft steckt in der Frage Gottes: „Adam, wo bist du?" Gott hat sich auf die Suche nach dem Menschen gemacht. Er bietet ihm aufs Neue seine Freundschaft und seine Gnade an.
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